Erkrankungen der Herzklappen

Jährlich werden in Deutschland ca. 15.000 Eingriffe an den Herzklappen durchgeführt. Viele dieser Erkrankungen sind angeboren, einige entstehen aber auch als Folge von Entzündungen des Körpers, die sich an den Herzklappen, die mitten im Blutstrom liegen, festsetzen und dort schnell (akut) oder langsam (chronisch) Schäden verursachen.

Die Herzklappenfehler werden heutzutage durch Austausch der defekten Herzklappe oder durch Reparatur korregiert.

Beim Austausch bestehen zwei Möglichkeiten:

  • Der Ersatz mit einer sogenannten künstlichen Klappe. Solche Klappen halten sehr lange (länger als ein Menschenleben). Der Patient muss aber lebenslänglich "blutverdünnende", besser gerinnungshemmende Medikamente einnehmen (Marcumar®, Falithrom®).
  • Der Ersatz durch eine sogenannte biologische Klappe. Bei diesen Klappen müssen nur für eine kurze Zeit von etwa 3 Monaten "blutverdünnende" Medikamente gegeben werden, bis die Klappe eingeheilt ist. Danach können die Medikamente ganz abgesetzt werden. Ein Nachteil ist jedoch, dass diese Klappen nur einen begrenzten Zeitraum im Körper halten. Nach etwa 10 Jahren sind sie meist verschlissen und müssen in einer erneuten Operation ausgetauscht werden.

Bei beiden Klappentypen gibt es verschiedene moderne Modelle, die der jeweiligen individuellen Situation im Körperinneren angepasst sind. Es gibt z.B. Herzklappen für Patienten mit besonders kleinen Schlagadern, oder Herzklappen, die ganz ohne Gerüst auskommen und z.B. für sehr junge Patienten in Frage kommen.

Die Entscheidung für eine dieser beiden Möglichkeiten und die speziellen Modelle ist also nicht ganz einfach.

Ersatz der Herzklappen

Homograft-Klappe

Daneben gibt es noch die Möglichkeit, menschliche Klappen von Gewebespendern zu implantieren.

Diese Möglichkeit wird zum Beispiel bei der Klappen-OP nach ROSS genutzt.

Dabei wird die defekte Aortenklappe durch die patienteneigene Pulmonalklappe ersetzt. Diese wird dann durch eine Klappe aus menschlichem Gewebe, einem sogenannten Homograft ersetzt.

Reparatur der Herzklappe

Oft kann eine Herzklappe auch repariert werden, braucht also nicht ersetzt zu werden. Dies hat natürlich den Vorteil, dass das körpereigene Gewebe bewahrt wird. Nur ein erfahrener Chirurg wird einen solchen Eingriff durchführen und während des Eingriffs abschätzen, ob die Ventilfunktion durch eine Reparatur ausreichend wiederhergestellt werden kann. Nur dann ist eine Klappenreparatur wirklich sinnvoll. Ist dies nicht gewährleistet, so ist der Klappenersatz die sicherere Alternative.

Die Herzklappe zwischen der linken Herzkammer und der Körperschlagader, die Aortenklappe und die Herzklappe zwischen linker Vorkammer und linker Hauptkammer des Herzens, die Mitralklappe, sind am häufigsten betroffen. Sehr viel seltener sind Erkrankungen der Klappe zwischen rechter Vorkammer und rechter Hauptkammer des Herzens (Trikuspidalklappe). Diese Klappe muss nur sehr selten ersetzt werden, kann aber bisweilen bei Erkrankungen der Mitralklappe durch den Rückstau des Blutes durch die Lunge hindurch schlussunfähig werden, sodass im Rahmen einer Operation an der Mitralklappe eine Raffung der Trikuspidalklappe zur Verbesserung der Schließfunktion vorgenommen wird.

Aortenklappenersatz per Herzkatheter (TAVI)

Bei Risiko-Patienten, bei denen eine Operation mit Herz-Lungen-Maschine aufgrund des hohen Alters oder der Begleiterkrankungen zu belastend wäre, wird seit einigen Jahren die sog. TAVI-Klappe (Transkatheter-Aortenklappenimplantation, engl. transcatheter aortic valve implantation, TAVI) eingebaut. Dabei wird die zusammengefaltete Klappe mittels eines Herzkatheterdrahtes unter Durchleuchtung positioniert. Die defekte Klappe wird dabei durch die neue Klappe verdrängt.

tavi tavi sapien xt
Positionierung der TAVI-Klappe Beispiel einer TAVI-Klappe (Edwards Sapien XT)